Mit dem Millenial-Mindset zu mehr Agilität in einer VUKA-Realität

Augen auf die Millenials

Autor: Steffi Burkhart

Obwohl die Babyboomer Generation die größte und kaufkraftstärkste darstellt, sind die Millennials die einflussreichsten Alterskohorten im digitalen Zeitalter. Sie sind die Schlüssel-Generationen, um die anstehenden Welt- und Wirtschaftsprobleme zu lösen. Nicht nur, weil wir eine Millionen-Lücke nach Renteneintritt der Babyboomer irgendwie füllen müssen. Sondern weil unsere Mind- und Skillsets diejenigen sein werden, die die Wirtschaft nachhaltig verändern.

Gen Y, Gen Z: Wer sind wir eigentlich?

In Zahlen ausgedrückt sind die Millennials die Gesamtheit der Generation Y (*1980–1995) und Generation Z (*1995–2010). Wir leben in einer Zeit der sogenannten Multi-Optionalität. Das heißt, anders als viele unserer Eltern leben wir keine klassische Drei-Phasen-Biografie sondern Multigrafien: zwischen Vollzeitfestanstellung, Selbstständigkeit, Teilzeitanstellung, Sabbaticals, Auslandsaufenthalte und Branchenwechsel. Wir sind die erste Generation, die vermutlich 8 Mal ihren Job wechseln wird. Davon geht zumindest das World Economic Forum aus. Ich selbst gehe von mehr Wechseln aus. Wir leben eher im Zickzack und wollen uns horizontal entfalten, statt uns über Jahre hinweg mühselig auf der vertikalen Karriereleiter hoch zu schuften. Wenn wir das Bedürfnis haben, woanders ein besseres Arbeitsumfeld anzutreffen, uns besser entwickeln zu können oder mehr Wirkkraft erzeugen zu können, dann sind wir ganz schnell weg.

Während noch vor einigen Jahren Konzern-Chefs Vorbilder von Nachwuchs und Talenten waren, sind es heute Gründer wie Mark Zuckerberg oder Elon Musk. Und während man früher Absolventen von Elite-Universitäten zumindest die ersten Jahre ihres Berufslebens in die Konzerne, Beratung oder Investmentbank locken konnte, sieht es heute anders aus.  Diese jungen Talente spüren heute, dass Sinn, Impact und Erfolg eher über die Selbstständigkeit oder Gründung eines Startups erreicht wird, als in großen Organisationen von risikoaversen Managern abhängig zu sein.

Neue Impulse in einer VUKA-Realität

Was genau macht uns Millenials zu den Machern von Morgen? Die Antwort: Wir leben heute in einer VUKA-Realität. „VUKA“ entstand in den 90er Jahren in einer Militärschule und steht für die vier Begriffe Volatilität (Unbeständigkeit), Unsicherheit, Komplexität und Ambivalenz (Mehrdeutigkeit). Diese vier Phänomene prägen unsere Zeit – als Brand-Beschleuniger treten die Digitalisierung und moderne Technologien hinzu. Sie bilden eine neue Welt, die sich mit alten Lehrbuchtheorien und dem Modus der Erfahrung, aus dem viele agieren, nicht erklären lässt. Dieser neuen Realität wirkungsvoll entgegenzutreten wird nur dann erfolgreich sein, wenn wir ihr in einer anderen Art und Weise gegenübertreten.

Eigentlich liegt es auf der Hand: Der Einsatz intelligenter Technologie, vor allem die Informations- und Datensammlung und ihre Verarbeitung in Echtzeit, wird es uns ermöglichen, Krankheiten zu besiegen, das menschliche Genom innerhalb nur weniger Minuten zum Preis eines Cheeseburgers zu entschlüsseln, Menschen zu richtigen Entscheidungen anzustoßen, das komplexe Wetter zu verändern, durch den Einsatz von Robotik die Landwirtschaft zu revolutionieren und die   Energiereduktion und -gewinnung völlig neu aufzusetzen.

Diese Technologien müssen jedoch erforscht, entwickelt, programmiert und gesteuert werden. Niemand ist mehr dazu geeignet als diejenigen, die in einer VUKA Realität aufgewachsen sind: Sie haben ein digital geprägtes, vernetztes und kollaboratives Mindset und haben die Deutungshoheit über die wichtigste Massentechnologie unserer Zeit – das Internet. Und da kommen wir ins Spiel – die Digital Natives. „Pay attention to those who are 30 years old. They are the internet generation. They are the builders of the world”, findet auch Jack Ma, Vorstandsvorsitzender der Alibaba Group.

Neue Denke

Facebook, Google, Wework und Co. wurden schließlich entweder von Millennials gegründet oder die Mehrheit der Mitarbeiter gehört zu eben dieser Generation. Bemerkenswert dabei ist, dass der Wert dieser „jungen“ Unternehmen heute schon wesentlich höher ist als die Bewertung vieler Unternehmen der Old Economy. Wir brauchen mehr von diesen neuen Geschäftsmodellen, dieser neuen Denke!

Ein Parade-Beispiel für die „Neue Denke“ im Vergleich zur Old Economy ist Airbnb: Die größte Hotelkette der Welt ist die Hilton Gruppe mit knapp einer Million Betten, fast 100-jährigem Bestehen und einen Unternehmenswert von 31,5 Milliarden US-Dollar. Der Unternehmenswert von Airbnb, eine 2008 gegründeten Community-Plattform ohne ein einziges eigenes Hotelzimmer, liegt bei 35 Milliarden US Dollar.

Damit ist den Airbnb-Gründern Erstaunliches gelungen: Sie haben das alte Prinzip „auswärts übernachten“ genommen, es „neu gedacht“ und etablierte, jahrhundertealte Unternehmen mal eben in 10 Jahren überholt. 

Raus aus dem Modus der Erfahrung

Wenn sich die Spielregeln unserer Welt verändern, brauchen wir ein neues Denken, ein neues Handeln. Wir sollten nicht in Hierarchiestufen denken und handeln, sondern Netzwerke aufbauen und sie dann auch intelligent nutzen, um uns zu agilen Unternehmen zu entwickeln, die schnell auf Herausforderungen des Marktes reagieren. Wenn das nur so einfach wäre. Viele Organisationen sind derzeit noch von einer Schwarmdummheit geprägt. Um als Organisation klüger zu werden, braucht es einen kulturellen Wandel auf drei Ebenen: Technologie (digitale Transformation), Struktur (Organisationsdesign und Arbeitsarchitektur) und Mensch (Mitarbeiterbefähigung, Führungskultur, Kundenzentrierung). Erst, wenn durch Hierarchien verursachte Systembrüche beseitigt sind, kann in Organisationen Schwarmintelligenz entstehen. Übrigens, verhaltensökonomische Experimente haben gezeigt, dass sowohl gemischtgeschlechtliche als auch interdisziplinäre Teams bei der kollektiven Intelligenz besser abschnitten als rein homogene Teams. Ohne uns Millennials, ohne unsere Ideen und unser kollaboratives und experimentierfreudiges Mindset wird dieser Wandel aber nicht funktionieren: Wir sind es, die der Welt von Morgen am nächsten sind.